Interview mit Dr. Jürgen Omeis, CTO und Leiter F & E bei BYK

 

BYK hat sich klare Ziele gesetzt: In drei Jahren sollen die Produkte, die jünger als fünf Jahre sind, 15 % des Umsatzes ausmachen. Wie wollen Sie das erreichen?

Dies ist ein ehrgeiziges Ziel, da stimme ich Ihnen zu. Aber ich habe keinerlei Zweifel, dass wir es erreichen werden, denn wir verfügen über die besten Voraussetzungen bei BYK. Als Unternehmen sind wir engagiert, pragmatisch und lösungsorientiert. Das ist es, was unsere Kunden schätzen. Wir richten den Blick stets nach vorn.

Besonders wichtig ist außerdem, dass wir neue Ideen zulassen. Unser Umgang miteinander ist gekennzeichnet von gegenseitigem Respekt. Das bedeutet: Wir hören einander zu – und wir hören unseren Kunden zu. Das ist ein erster ganz wichtiger Schritt. Zweitens – und dies ist genauso wichtig – prüfen wir sorgfältig alle Vorschläge, die auf dem Tisch liegen, ehe wir uns entscheiden, ob sie Zukunft haben. Kommen wir zu dem Ergebnis, dass dies so ist, dann krempeln wir die Ärmel hoch und machen uns an die Arbeit.

Können Sie das an einem Beispiel erläutern?

Wir haben vor rund zehn Jahren eine strategisch wichtige Entscheidung getroffen. Damals beschlossen wir, in das für uns völlig unbekannte und seinerzeit noch weitgehend unerschlossene Feld der kontrollierten Polymerisationstechnologie (Controlled Polymerization Technology – CPT) einzusteigen. Uns war klar, dass diese Technologie ungeheures Potenzial hat, aber es war auch ein Wagnis. Rückblickend können wir diese Entscheidung als Meilenstein in der ohnehin an Erfolgen nicht gerade armen Innovationsgeschichte von BYK bewerten. Warum? Weil es uns gelungen ist, uns einen Know-how-Vorsprung im Wettbewerb zu sichern. Alle unsere Produkte, die auf CPT basieren, sind heute ausgesprochen erfolgreich.
Innovationen benötigen Ressourcen.

Wie ist BYK in dieser Hinsicht ausgestattet?

Wir investieren etwa 8 % unseres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Für ein Unternehmen unserer Branche und unserer Größe liegt das weit über dem Durchschnitt. Bitte bedenken Sie: In Deutschland investieren Unternehmen aus der Chemiebranche durchschnittlich nicht mehr als 2 – 3 % ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Unternehmen, die in der gleichen Größenordnung investieren wie wir, sind meist große Betriebe mit mehr als 10.000 Mitarbeitern. Bei BYK arbeitet jeder fünfte Mitarbeiter im Kontext von Innovation; allein in dem Bereich „F&E“ hier am Standort Wesel sind es nahezu 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Etwa 20 % von ihnen sind Chemiker mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten: organische Chemie, Polymerchemie und analytische Chemie. Jeweils ein Drittel sind Chemieingenieure und Chemotechniker. Wir sind also personell gut aufgestellt, weil wir über Spezialisten in den für uns wichtigen Technologien und Verfahren verfügen.

Was ist aus Ihrer Sicht eine Innovation?

Unser Verständnis ist eindeutig: Innovativ ist, was in den Märkten Erfolg hat und BYK Wachstum bringt. Das heißt für uns: Wir müssen unsere Innovationen in die Märkte tragen und Kunden sowie Anwender überzeugen. Unter dieser Prämisse ergeben sich unterschiedliche Pfade und Strategien, die man verfolgen kann. Die Entwicklung gänzlich neuer Produkte und wegweisender Lösungen steht dabei selbstverständlich an erster Stelle. BYK kann in diesem Zusammenhang eine Menge Erfolge aufzählen.

Können Sie uns Beispiele für innovative Produktentwicklungen der letzten Jahre nennen?

Unsere jüngste Produktinnovation ist BYK®–3550. Dieses neue Additiv ist ein silikonmakromermodifiziertes Polyacrylat, bei dem sowohl Acrylat- als auch Silikoneigenschaften in ein einziges Additiv eingebunden wurden. Dieses auf der Makromertechnologie basierende Additiv erschließt einzigartige Produktprofile durch Eigenschaften, die sich nur durch eine innovative Chemie erreichen lassen. Nicht umsonst wurde dieses Produkt mit dem Innovationspreis „BYK Advance“ ausgezeichnet.

Ich denke aber auch an unsere Netz- und Dispergieradditive DISPERBYK®–2000 und DISPERBYK®–2001. Damit hat BYK als Erster die neuen CPT-Verfahren für die Herstellung von Additiven erfolgreich umgesetzt und bietet Anwendern viele Vorteile. Oder an unsere NANOBYK®-Produkte, die hervorragenden Schutz vor Verkratzung oder vor Alterung durch UV-Strahlung ermöglichen. Oder aber an das Oberflächenadditiv BYK-SILCLEAN® 3700 oder unsere Haftvermittler BYK®–4500 und BYK®–4510.

Alles dies sind wegweisende Entwicklungen der vergangenen Jahre. Mit ihnen haben wir außerdem jeweils wichtige Grundlagen für die Weiterentwicklung von Technologien und Produktfamilien geschaffen. Insbesondere für die Nanotechnologie sehe ich in Kombination mit unseren Oberflächenadditiven ein hochinteressantes Potenzial – beispielsweise, wenn es um die Entwicklung umweltverträglicher Wasser- und UV-Lacke geht.

Gehört das Erschließen neuer Märkte ebenfalls zu Ihrem Konzept von Innovation?

Selbstverständlich! Und dabei verfolgen wir keineswegs nur eine Nischenstrategie, auch wenn wir manche Nische erfolgreich besetzt haben. Wir identifizieren Märkte mit starkem Wachstum und planen unseren Markteintritt sorgfältig. Auch dabei gibt es unterschiedliche Wege. Beispiel Papier: Dort sind wir inzwischen recht erfolgreich mit einigen Additiven, etwa mit BYK®–3400.

Ausgangspunkt unserer Überlegungen war dieser Gedanke: Als Hersteller von Lackadditiven besteht unsere Kernkompetenz darin, Oberflächen gezielt zu beeinflussen – und genau das müssen Sie beherrschen, wenn Sie Rohpapier für die Weiterverarbeitung beschichten wollen. Unser speziell für die Papierveredelung entwickeltes Additiv BYK®–3400 ist ein hervorragender Beweis dafür.

Unabhängig davon hat sich gezeigt, dass eine Reihe unserer Additive nur einer geringfügigen Modifizierung bedurften – und schon waren sie für die Papierveredelung tauglich.

Aus unserer Sicht ist dieses vergleichsweise junge Engagement auf dem Papiermarkt eine wichtige Erfolgsgeschichte und deshalb werden wir es auch weiter ausbauen.